Aktuelles

Arbeits- und umweltbedingte Asbestexpositionen können schon bei geringer Faserbelastung zu einem Mesotheliom führen. Mesotheliome sind bei der heutigen, arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung durch Röntgen der Lunge erst zu einem Zeitpunkt zu diagnostizieren, zu dem eine Heilung nicht mehr möglich ist. Allerdings gibt es Untersuchungsmöglichkeiten, ein Mesotheliom früher zu entdecken, indem man eine Ultraschall- Untersuchung anwendet. So hat Herr Prof. Dr. Böcking bereits 2008 seine wissenschaftlichen Ergebnisse hierzu vorgestellt. Ein Mesotheliom kann so zu einem Zeitpunkt entdeckt werden, wo Heilung noch möglich ist. Wir empfehlen Ihnen, wenn Sie Asbest als Erkrankungsursache nicht ausschließen können, Ihren Arzt auf die neuen Erkenntnisse hinzuweisen und eine Ultraschalluntersuchung durchführen zu lassen.
2006 begann eine neue Kampagne zur Information über die Gefahren durch Asbest. Die Europäische Asbestkampagne 2006 läuft unter dem Motto: "Asbest ist eine todernste Sache - Exposition unbedingt vermeiden!" Zahlreiche Veröffentlichungen sind in diesem Zusammenhang bekannt geworden:

- Die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) hat eine Broschüre mit dem Thema: "Asbest - Auf dem Weg zu einem weltweiten Verbot" veröffentlicht (3,3 MB, .pdf)

- Neue Auflage der BGI- Verfahren zum Umgang mit bestimmten Asbestprodukten (BGI 664 BT 18 und BT 12)

- Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) informiert über Asbestprodukte 

- Infobroschüre des BGIA (Berufsgenossenschaftliches Institut für Arbeitsschutz, seit 1.1.10: Institut für Arbeitsschutz der DGUV, kurz: "IFA")

- Die Bau BG stellt fest, dass 2005 die Zahl der Toten durch Asbest in der gewerblichen Wirtschaft auf 1.540 Personen gestiegen ist (Vergleich: 2006 sind im Autoverkehr 5.096 Personen tödlich verunglückt). 

Asbest

Über viele Jahrzehnte ist mit dem Krebsgift Asbest sorglos umgegangen worden. Bereits in den 20er Jahren ist Asbest in den USA als Ursache für narbige Umwandlung des Lungengewebes erkannt worden. Trotz des Wissens um die fibrogene und kanzerogene Wirkung der heimtückischen Fasern wurde Asbest in großem Maße verwendet. So wurden Millionen Tonnen asbesthaltiger Baustoffe wegen ihrer vielseitigen Einsatzmöglichkeiten verbaut, mit fatalen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen. Verwendung fand Asbest in mehr als 3000 verschiedenen Produkten, im Baubereich insbesondere für Brand-, Wärme- und Hitzeschutz, Schallschutz, Feuchtigkeitsschutz. 1979 wurde der Einsatz von Spritzasbest verboten. 1982 erfolgte das Verbot sonstiger schwachgebundener Asbestprodukte im Baubereich. Erst 1990 wurde Asbest in Deutschland als sehr stark krebserzeugender Stoff eingestuft. Der Verzicht der Industrie auf Asbest wurde in Deutschland durch eine "Selbstverpflichtung" erreicht. Natürlich vorkommende Asbestmineralien sind Chrysotil, Amosit, Krokydolith, Antophyllit, Tremolit und Aktinolit. Asbesthaltige Gesteine kann man auch in Deutschland finden. Heute noch wird im Erzgebirge bei Zöblitz asbesthaltiger Serpentinstein abgebaut und neben der Verwendung als Straßenschotter kunsthandwerklich bearbeitet. Weltweit nimmt der Verbrauch von Asbest trotz der gesundheitlichen Gefahren immer noch zu; in Entwicklungsländern führen wirtschaftliche Erwägungen zum verstärkten Asbesteinsatz. Die Situation für Deutschland beschreibt die BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin). Der DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung) schreibt: "Während der Verbrauch von Asbest in Kanada bei 500 g pro Kopf und Jahr und in den Vereinigten Staaten bei unter 100 g liegt, beträgt der Asbestverbrauch in Brasilien durchschnittlich 1.400 g pro Kopf und Jahr. Wie in anderen Ländern der Dritten Welt stieg auch in Brasilien der Verbrauch in den letzten drei Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts jährlich um ca. 7 %, während die Vereinigten Staaten und andere Industrieländer den Verbrauch schrittweise auslaufen lassen. Brasilien nutzt 70 % des hergestellten Asbest selbst, importiert aber auch Asbest aus Kanada". Bei uns heute hergestellte Faserzementplatten sind asbestfrei.

Gesundheitliche Bedeutung

Krebserzeugend nach Inhalation. Einstufungen:

  • MAK-Liste: III A1 (beim Menschen eindeutig krebserzeugend)
  • TRGS 905 : K 1 (beim Menschen bekanntermaßen krebserzeugend)

Erzeugung von Narbengewebe bei Inhalation (Asbestose). 

Gesundheitsschädliches Agens ist die biologisch beständige Faserform

Kritische Fasern gemäß WHO: D < 3µm, L > 5µm, L : D > 3

Bei inkorporierten Fasern kann eine Verringerung des Durchmessers infolge Längsspaltung auftreten. Die Längsspaltung erhöht die krebserzeugende Potenz inkorporierter Asbestfasern. 

Bei der heutigen Expositionssituation kann hauptsächlich Krebs an Bauch- und Brustfell (Mesotheliom) entstehen. 

Verwendungszeitraum

1979 Verbot von Spritzasbest

1982 Verbot sonstiger schwachgebundener Asbestprodukte im Baubereich

1992 Verwendungsverbot für Asbestzement-Produkte (Ausnahme Druckrohre)

1995 Verwendungsverbot für Asbestzement-Druckrohre

Regelungen

  • Inverkehrbringen: Asbesthaltige Erzeugnisse dürfen - bis auf wenige Ausnahmen außerhalb des Baubereiches - gemäß Chemikalien-Verbotsverordnung § 1 in Verbindung mit Anhang Abschn. 2 nicht in Verkehr gebracht werden.
  • Kennzeichnung: Asbesthaltige Erzeugnisse und Abfälle müssen gemäß Gefahrstoffverordnung § 4 in Verbindung mit Anhang II Nr. 1 (3) mit einer Kennzeichnung versehen werden.
  • Wiedereinbau: Nach Ausbau ist der Wiedereinbau von asbesthaltigen Baustoffen - bis auf wenige Ausnahmen - verboten. Die Überdeckung von Asbestzementdächern, z.B. um Photovoltaikanlagen aufzubauen, ist nicht zulässig.
  • Gefährdungsbeurteilung: Schwachgebundene Asbestprodukte sind nach Asbestrichtlinien (Technische Baubestimmungen auf Grundlage der BauO der Länder) zu bewerten (Bewertungsbogen). Für festgebundene Asbestprodukte sind Gefährdungsbeurteilung und Sanierungserfordernis nicht geregelt.
  • Ausführung der Sanierung: Nach TRGS 519 (alle Asbestprodukte). Nach Asbestrichtlinien (nur schwachgebundene Asbestprodukte).
  • Entsorgung: Nach LAGA-Merkblatt vom 6.9.1995, novelliert 2009, zugeordnet dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz unter den EAK-Nummer:

Einordnungsschlüssel nach EAK

17 06

Gruppe

Dämmmaterial und asbesthaltige Baustoffe

17 06 05*

gefährlicher Abfall

asbesthaltige Baustoffe


Weiterführende Hinweise

In ihrem Artikel "Amt warnt vor Schäden" in der Ausgabe vom 25. November 2004 weist die Oberhessische Presse auf Gefahren für die Hausbesitzer hin, die durch "Dachsanierung von Eternitdächern" entstehen können.

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